Besuch des Heimatmuseums Dotzheim

Auf den Spuren Dotzheims und der Geschichte der Arbeiterbewegung

Peter

Am 11. Mai haben Genoss*innen der Wiesbadener Linken, Kolleg*innen der Gewerkschaft BAU und Interessierte das Heimatmuseum Dotzheim besucht. Seit über 40 Jahren wird das Museum vom Heimat- und Verschönerungsverein Dotzheim betrieben. Herr Blaudow aus dem Vereinsvorstand hat uns begrüßt und mit einem Rundgang durch die bewegte Geschichte Dotzheims geführt. Zahlreiche Bilder, Dokumente und Exponate zeigen die Geschichte von den Anfängen in der Römerzeit über eine beschauliche dörfliche Gemeinschaft hin zu dem zweitgrößten Stadtteils Wiesbaden.

Ab Mitte des 19. Jahrhundert war Dotzheim die Heimat vieler Handwerker und Hilfskräfte die sich hier angesiedelt hatten um in der aufstrebenden Kurstadt Wiesbaden zu arbeiten. Nach und nach entstanden um den Ortskern herum die Siedlungen wie Kohlheck, Sauerland, Freudenberg oder Märchenland. Man fing an sich zu organisieren und für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen zu kämpfen. Die Arbeiter trafen sich zu politischen Versammlungen, aber auch Chorabende und Sportwettbewerbe. In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts trotzten sie den Arbeitgebern in mehreren Streiks bessere Arbeitsbedingungen ab und im November 1918 tagte kurzzeitig sogar ein Arbeiter- und Bauernrat.

Führende Köpfe der Dotzheimer Arbeiterbewegung wie Theodor Bach von der KPD und August Hölzel von der SPD sind dann ab 1933 von den Nazis verfolgt, gefoltert und inhaftiert wurden und starben schließlich im KZ Auschwitz.

Seit Dotzheim 1889 an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde, siedelten sich auch Fabriken rund um den Dotzheimer Bahnhof an. So wurde die patentierte Mausefalle „Capito“ hier produziert und in die ganze Welt verkauft, wie auch Aluminiumkappen für Wein-, Bier- und Limonadenflaschen von mehreren Fabriken produziert.

Auch jüdisches Leben hat eine lange Tradition in Dotzheim. So gehen aus der Familie von Salomon Herxheimer im 19. Jahrhundert zahlreiche berühmte Ärzte hervor. Während des Nationalsozialismus wurden alle Dotzheimer Juden zur Auswanderung gezwungen oder in den Konzentrationslagern umgebracht. Nur wenige Meter von dem Museum entfernt erinnern Stolpersteine an die Famile Heymann die dort eine Metzgerei betrieb. Auf einer Gedenktafel am Alten Rathaus in Dotzheim wird an die ermordetem jüdischen Mitbürger erinnert.  

Unser Rundgang durch das Heimatmuseum Dotzheim war sehr aufschlussreich. Wenn man die Bemühungen und Kämpfe der Menschen der letzten rund 150 Jahre für gute Arbeit und ein solidarisches Miteinander am Beispiel von Dotzheim betrachtet, dann sieht man auch viele Fortschritte. Das sollte uns Ansporn sein für unsere konkrete politische Arbeit. Was hier Frauen und Männer erstritten haben, gilt es gerade heute zu verteidigen und natürlich weiter auszubauen. Unser Engagement als Linke ist daher wichtiger denn je und wie man an der Geschichte sehen kann: Zusammen geht da was!

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Stadtteilrundgang in Schierstein

am 22. Mai 2024

Herbert G. Just

Wir trafen uns verabredungsgemäß am Hans-Römer-Platz, am Stifterappler, dazu später mehr. Im 18 und 19. Jahrhundert diente der Schiersteiner Hafen als Sammelstelle für das Holz aus dem Taunus, das nach Holland verschifft wurde. Die heutige Straße Wasserrolle erinnert noch daran, dass die Stämme hier in den Hafen gerollt wurden. Dort wurden sie zu bis zu 300 m langen Flößen zusammengebunden.

Außerdem arbeiteten viele Schiersteiner in der Fischerei. Gemäß dem Motto: Schiersteiner Fisch – immer frisch, wurden Lokale und auch der Wochenmarkt in der Innenstadt täglich mit frischem Fisch beliefert.

Mit den beiden Berufen, Flößer und Fischer, sicherte man seinen Lebensunterhalt, reich werden konnte man trotz der schweren Arbeit nicht. Um etwas mehr Geld im Säckel vorzutäuschen und die Mädchen zu beeindrucken, steckten sich die jungen Männer Nägel (Stifte) in die Hosentaschen um damit klimpern. Daher der Name "Stifterappler".

Im 20. Jahrhundert fanden viele SchiersteinerInnen Arbeit in der Industrie entlang der Rheinschiene. Kalle und Albert, Dyckerhoff und die Glyco gaben Lohn und Brot. Deshalb war Schierstein auch lange Zeit eine Hochburg der damaligen Arbeiterpartei SPD.

Vom Hans-Römer-Platz ging es zu der kleinen Verbindungsstraße zwischen Thieles Privatstraße und Anglergasse. Dieses Gässchen trägt bald den Namen Katzsteingässchen, benannt nach der gesellschaftlich anerkannten jüdischen Familie Katzenstein.

In der Reichsapfelstraße machten wir Station an den Stolpersteinen für die Familie Israel. Die Israels waren Metzger und bekannt für gute Fleisch- und Wurstwaren. Alle fünf Mitglieder der Familie Israel wurden 1942 deportiert.

In der Kettenbornstraße sahen wir das Judenhaus, in dem viele Juden auf ihre Deportation warten mussten.

Vorletzte Station war die Gedenkstätte Alte Synagoge in der Bernhard-Schwarz-Str. In der Pogromnacht im Nov. 1938 wurde die Synagoge in Brand gesetzt. Sie war Mittelpunkt jüdischen Lebens in Schierstein. Seit den sechziger Jahren ist sie Gedenkstätte für jüdisches Leben in Schierstein.

Der Rundgang endete mit einem Umtrunk in der Zentrale der LINKEN in Schierstein.

Zusammengestellt: Herbert G. Just