„Nach dem Gutachten des Beirats für Städtebau, Architektur und Baukultur sowie verschiedenen Äußerungen des Stadtentwicklungsdezernenten Pös sollte mit dem Neubau des Parkhauses an der Coulinstraße der freie Blick von der Fußgängerzone auf den Schulberg wieder hergestellt und die Treppenanlage zu einem ‚repräsentativen Entree’ für die Fußgängerzone werden. Auch eine „gestalterische Verknüpfung’ mit dem Mahnmal Namentliches Gedenken für die deportierten und ermordeten jüdischen Bürgerinnen und Bürger Wiesbadens am Michelsberg sollte geschaffen werden. Von diesen Vorgaben findet sich in den Ergebnissen des Architektenwettbewerbs nichts wieder“, beanstandet Brigitte Forßbohm. „Mit einer Realisierung des Entwurfs des Wettbewerbssiegers von BHSF, Zürich, würde die Blickachse zum Palais am Schulberg, dem heutigen Kunsthaus, endgültig verbaut, das ‚repräsentative Entree’ wäre eine kahle Betonwand.“
Unter „Bezügen zur umgebenden Bebauung“ und zur „vorgefundenen Topografie“ verstünden die Wettbewerbssieger und -teilnehmer wohl nichts anderes als das Auffüllen der nach dem Abriss des alten Parkhauses entstehenden Lücken mit formloser Baumasse. Kein Gedanke an die versprochene „gestalterische Verknüpfung“ mit dem neuen Mahnmal, nicht einmal ein Fußgängerüberweg zur gegenüberliegenden Seite der Coulinstraße sei erkennbar. Forßbohm fragt: „Ist den Jurymitgliedern nicht bekannt, dass mangelnde Rücksicht und der unsensible Umgang mit den einst kunstvoll angelegten städtebaulichen Zusammenhängen und Sichtachsen einer der Kritikpunkte der Gutachter zur möglichen Kandidatur Wiesbadens zur Aufnahme in die Unesco-Welterbeliste ist?“ Wenn nach einem dieser Entwürfe gebaut würde, habe die Stadt Wiesbaden mal wieder eine Chance vertan zu zeigen, dass ihr etwas an der Erhaltung und Gestaltung des architektonischen Erbes liegt.
Dieses Wettbewerbsergebnis werfe auch die Frage nach der Zusammensetzung der Jury auf und ob die von Pös gelobten „Leute, die noch keine zehn Jahre in Wiesbaden hinter sich haben“, die Richtigen sind hier zu urteilen. Ohne eine Bürgerbeteiligung, ohne einen kompetenten Beirat für Denkmalschutz und ohne eine Kooperation mit der zuständigen Denkmalschutzbehörde werde man sich jedenfalls immer wieder mit solchen form- und phantasielosen Entwürfen abgeben und gegen ihre Realisierung streiten müssen. Ein Politikwechsel im Stadtparlament, das möglicherweise schon im Juni über die Realisierung solcher Entwürfe entscheiden wird, wäre da sehr hilfreich!
Weitere Infos: www.brigitteforssbohm.de